Ehrenamtliche aus dem AWO-Mehrgenerationenhaus Altötting und den Ortsvereinen des AWO-Kreisverbandes Altötting schildern in einer Interviewreihe ihren Weg zum Ehrenamt und ihre teils in Jahrzehnten gesammelten Erfahrungen. Einige haben Tipps für künftige Ehrenamtliche. Die Interviews führte Robert Attenhauser entweder persönlich im Mehrgenerationenhaus oder telefonisch im November und Dezember 2026.
Gabriele Mitlacher unterrichtet Deutsch für Fremdsprachler
Gabriele Mitlacher (Foto: Attenhauser)Wie kommen Sie zum Ehrenamt?
Über eine Freundin, ich bin selber keine Lehrerin – ich versuche mein Bestes zu geben.
Was machen Sie beruflich?
Ich war OP-Schwester und bin schon lange Hausfrau, Familienmanagerin. Das Ehrenamt mache ich seit zwei Jahren. Meine Freundin hat gemeint „Du hast doch soviel Zeit“. Ich bin interessiert an verschiedenen Kulturen und reise auch viel – da habe ich gedacht, das wäre doch etwas. Helfen ist auch eine Bereicherung für mich! Es fällt mir manchmal nicht leicht, weil ich nicht den Grundstoff wie eine Lehrerin habe – aber ich habe auch eher die Anfänger und leicht Fortgeschrittene, das geht.
Waren Sie schon einmal in einem anderen Verein ehrenamtlich aktiv?
Nein.
Was ist die größte Herausforderung bei Ihrer ehrenamtlichen Arbeit?
Das immer wieder neue Schüler dazukommen, aus neuen, ganz anderen Ländern – heute kam jemand aus Nigeria, der noch kaum Deutsch spricht. Das ist schwer zu kompensieren, so jemand ist schwer in die Gruppe reinzubringen.
Wie sehen Ihre positiven Erlebnisse im Ehrenamt aus?
Das hat man schon immer wieder einmal. Man merkt, wenn die Leute gern mitmachen, Freude haben – das ist schon ein positives Erlebnis, dann macht man das auch gerne. Wenn man merkt die wollen lernen und freuen sich, dass man da ist und mit ihnen arbeitet. Das ist ein positives Erlebnis.
Wie schätzen Sie die Bedeutung des Ehrenamts für die Gesellschaft ein?
Ich denke, dass wir dem Staat viel abnehmen. Was hätte der Staat ohne die ganzen Helferkreise gemacht? Ich bin seit Beginn der Flüchtlingskrise etwas tätig und habe auch noch Kontakt mit einem der ersten Flüchtlinge aus Syrien, einem Kurden. Zu dem hatte ich gutes Vertrauen, er ging später nach Dortmund, hat geheiratet und ist wieder geschieden und wohnt jetzt im Bregenzer Wald. Vor kurzem hat er mich besucht, er hat einen guten Job, konnte sich integrieren. Der Ausgang ist gut, er ist dankbar, dass Deutschland ihn so gut aufgenommen hat. Aber die erste Zeit für ihn war nicht einfach, die waren alle überfordert – wie oft war ich mit ihm auf Ämtern. Aber er hat es geschafft. Auch seine Familie hat hat sich gut integriert, die Geschwister haben Berufe gelernt, arbeiten. Das ist toll. Aber es gibt auch andere.
Haben Sie sich für Ihre Tätigkeit speziell vorbereitet?
Nein, ich bin dazu gekommen wie die Jungfrau zum Kind – weil sie einfach Leute gebraucht haben. Schwierig ist es mit neuen Leuten, wie jemandem aus Nigeria, der bislang Deutsch nur gehört hat. der seit sieben Jahren da ist und kaum schreiben und lesen kann.
Wie überzeugt man Menschen vom Ehrenamt - haben Sie einen Tipp?
Das ist wichtig und man erweitert ja auch seinen Horizont. Man bekommt auch einen Einblick, wie gut es uns geht. Wir brauchen ja auch die Leute und je besser man sie integriert sind sie auch besser geeignet für Berufe. Aber viele denken nur an sich selber oder sind so stark mit Familie und Beruf beschäftigt, dass da kein Raum mehr (für ein Ehrenamt, d.Red.) ist. Bei Rentner wäre vielleicht mehr Zeit – aber vielleicht ist da eine gewisse Scheu.
Ihr Rat an Neueinsteiger ins Ehrenamt?
Dass man einfach positiv auf die Leute zugeht, offen ist, schaut wo sie stehen und ob sie lernen und weiterkommen wollen.




